WAMO Inspector

Ablauf, Fenster und Entdeckerlogik

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Hilfe

WAMO Inspector verbindet MPC/MPEC-Beobachtungen, die WAMO-Rückgabe und eine nachvollziehbare Entdeckerentscheidung in einer Windows-Oberfläche.

1. Wofür ist WAMO Inspector gedacht

Das Programm hilft dabei, Beobachtungszeilen im MPC-OBS80-Format gegen WAMO zu prüfen und daraus je Objekt eine begründete Gewinner- bzw. Verliererentscheidung abzuleiten. Es ersetzt nicht die amtliche Entscheidung des MPC, zeigt aber transparent, welche Station nach den eingestellten Regeln vorne liegt.

Die Oberfläche ist bewusst dreigeteilt: links die Eingabezeilen, rechts die originale WAMO-Rückgabe und unten die analysierte Tabelle. Alle Bereiche besitzen horizontale und vertikale Rollleisten, damit OBS80-Zeilen und lange Begründungen nicht abgeschnitten werden.

2. Eingaben oben

Das Feld Nummer, Bezeichnung, Komet, MPEC akzeptiert MPC-Nummern, provisorische Bezeichnungen, Kometenbezeichnungen und MPEC-Kürzel. Beispiele: 433, 2022 FK4, C/2025 A1, MPEC 2026-N10 oder kurz 2026-N10. Kurze MPEC-Kürzel werden im Verlauf mit MPEC ergänzt.

Nach Download lädt die Anwendung die passenden MPC- oder MPEC-Daten. Danach startet der WAMO-Check automatisch. Bei einem MPEC kann das Programm zusätzliche MPC-Objektdaten nachladen, um zu sehen, welche späteren Beobachtungen zum selben Objekt gehören.

Das Dateifeld lädt eigene OBS80-Dateien. Wenn vorher ein MPEC-Kontext aktiv ist, kann man eigene Daten dazu nehmen. Das ist nützlich, wenn man eigene nachträgliche Beobachtungen mit einer bereits publizierten MPEC vergleichen möchte.

Die Verlaufsliste speichert frühere Nummern und Dateien. Einzelne blau markierte Einträge können mit der Entf-Taste gelöscht werden. Die maximale Länge der Verläufe ist in den Einstellungen einstellbar; 0 bedeutet unbegrenzt.

3. Eingabefenster

Das Eingabefenster zeigt die tatsächlichen OBS80-Zeilen, die an WAMO gehen. Dubletten werden beim Laden und beim Anhängen soweit möglich erkannt. Zeilen, die sich nur im internen MPC-Schlüssel hinter Magnitude/Band unterscheiden, werden als Dublette behandelt und die spätere Zeile kann ausgeblendet werden.

Bei Satellitenbeobachtungen gilt: Zeilen mit großem S werden an WAMO gesendet, Zeilen mit kleinem s werden ausgelassen. Rover-Beobachtungen R/r werden nicht an WAMO geschickt, weil sie für diese Auswertung zu viele Sonderfälle erzeugen.

Die aktuelle Zeile wird blau hervorgehoben. Wenn die Option „Gleiche Stelle setzen“ aktiv ist, versucht die Oberfläche, in Eingabe, WAMO-Ausgabe und Tabelle dieselbe Zeilenposition zu zeigen.

4. WAMO-Ausgabefenster

Dieses Fenster zeigt die von WAMO gefundenen Rückgaben. Der Button WAMO-Ausgabe anzeigen zeigt ausdrücklich die Originalausgabe von WAMO, nicht die daraus von WAMO Inspector abgeleitete Tabelle.

Die Titelzeile nennt die Anzahl gültiger Rückgaben. Fehlende keyed-batch-Antworten werden gezielt einzeln nachgefragt; wenn WAMO trotzdem keine gültige Rückgabe liefert, bleibt die Problemzeile sichtbar und erklärbar.

5. Tabellenfenster

Die Tabelle ist der eigentliche Analysebereich. Sie zeigt Beobachtungszeit, Einsendezeit, lokale Nacht, Delta, Quelle, WAMO-ID, RA/DEC, Objekt-ID, MPS, Station, Opposition, Elongation, Entdeckung, Verliererdistanz und Grund. Spalten können per Rechtsklick ein- und ausgeblendet werden.

Delta ist die Differenz zwischen Beobachtungszeit und Einsendezeit im Format hh:mm:ss. Bei MPEC-Läufen erscheint zusätzlich MPEC-Diff, also der Abstand zwischen Einsendezeit und dem Issue-Zeitpunkt der MPEC. Diese Spalte wird nur gezeigt, wenn tatsächlich ein MPEC geladen wurde.

RA und DEC werden so ausgerichtet, dass Dezimalpunkte bzw. Vorzeichen gut vergleichbar bleiben. Stations-Hover zeigen den Stationsnamen und eine Liste der beteiligten Stationen nach Beobachtungsanzahl, inklusive Zeitraum.

Orange markiert den Gewinner, Blau die aktuelle Zeile, Grau unbekannte oder abgeleitete Werte. Oppositionen erhalten unterschiedliche Farben; die Legende nennt nach Möglichkeit auch das Oppositionsjahr. Knappe Verlierer werden über die Verliererdistanz und die Spaltendarstellung sichtbar gemacht, nicht als eigene Konkurrenzfarbe zur Opposition.

6. Entdeckerlogik in Kurzform

Die Entscheidung wird je Objekt getroffen. Bei mehreren Objekten in einer Datei wird die Logik pro Objekt getrennt aufgebaut. Gewinner kann es pro Objekt nur einen geben.

Zuerst werden brauchbare Oppositionen betrachtet. Eine Opposition ist erst dann kandidatentauglich, wenn die geforderte Nachtregel erfüllt ist. Standardmäßig zählt das MPC eine Nacht mit zwei verschiedenen erdgebundenen Stationen als nur eine Nacht; deshalb ist die Option „zwei verschiedene Stationen in einer Nacht als zwei Nächte zählen“ normalerweise ausgeschaltet.

Die Gewinner-Opposition ist die Opposition, deren „2-Nächte-fertig“-Zeitpunkt am frühesten ist. Innerhalb dieser Gewinner-Opposition gewinnt dann die Beobachtung bzw. Station mit der frühesten Submission Time. Bei gleicher Submission Time entscheidet die erste Beobachtungszeit nach den sonstigen Kriterien.

Wenn eine spätere Opposition eigentlich frühere Submission Times hat, bleibt sie trotzdem Verlierer, weil nur die erste geeignete Opposition zählt. Die Spalte Grund nennt solche Fälle als spätere Opposition nach der Entdeckungsopposition.

7. Nächte, Stationen und Satelliten

Für erdgebundene Stationen wird die Nacht stationslokal bestimmt, wenn ein Längengrad verfügbar ist. Für nicht erdgebundene Stationen oder fehlende Längengrade wird UTC verwendet. Nicht erdgebundene Stationen benötigen keine Warnung, weil UTC dort die sinnvollere Ersatzregel ist.

Satellitenbeobachtungen liefern zusätzliche Beobachtungen für eine Opposition. Bei Satelliten gibt es keine astronomische Nacht im üblichen Sinn; daher beginnt die erste Satelliten-„Nacht“ mit der ersten Satellitenbeobachtung einer Station, die zweite nach 12 Stunden, danach in weiteren 12-Stunden-Blöcken.

Wenn in einer Opposition nur Satellitenbeobachtungen vorhanden sind, können diese nach den Regeln auch Winner werden. Wenn erdgebundene und Satellitenkandidaten konkurrieren, entscheidet die allgemeine 2-Nächte- und Submission-Logik, nicht pauschal ein Vorrang.

8. WAMO-IDs, historische Daten und Warnungen

Normale WAMO-IDs sind 25 Zeichen breit. Historisch nachträglich zugewiesene IDs können 19 Zeichen haben; diese enthalten kein Einsendedatum. In solchen Fällen wird das Beobachtungsdatum als Einsendedatum verwendet und der Wert grau hinterlegt.

WAMO-IDs mit anderer Länge als 25 oder 19 lösen einen Hinweisdialog aus. Beobachtungsdaten, die rechnerisch in der Zukunft liegen, werden zusätzlich protokolliert und führen beim Start zu einer Warnung mit Bitte, den Programmierer zu kontaktieren.

9. Kometen, MPEC und amtliche Entdeckungen

Kometen werden in der Tabelle mit denselben technischen Regeln ausgewertet. Die Tabelle weist aber darauf hin, dass die amtliche Kometenentdeckung anderen fachlichen Regeln folgen kann. Der WAMO-Winner ist hier also eine technische Auswertung, keine amtliche Kometenentscheidung.

Bei MPECs liest WAMO Inspector den Issue-Zeitpunkt aus der Seite. Die Statuszeile oben nennt MPEC, Objekt, Issue, Anzahl MPEC-Zeilen, zugeladene Objektzeilen und ausgeblendete Dubletten. Die Statuszeile bleibt bewusst kurz, damit sie auch bei kleiner Schrift noch lesbar ist.

10. Cache, Logs und Fair Use

Der optionale WAMO-Cache vermeidet wiederholte Online-Abfragen. Er kann in den Einstellungen abgelehnt, deaktiviert oder gelöscht werden. Auf Wechsellaufwerken und generell in diesem Projekt wird kein SQLite-WAL verwendet; diese Regel ist absichtlich hart, damit es keine verzögerten Schreibfehler gibt.

Logs und Reports liegen im Projekt- bzw. Installationsordner. Der Rückwärtsaudit schreibt eine fortsetzbare Statusdatei und HTML-Reports, damit lange Läufe nach Abbruch oder Neustart weiterlaufen können.

11. Rückwärtsaudit

Der Rückwärtsaudit prüft nummerierte Objekte rückwärts und vergleicht MPC-, WAMO- und bei Differenzen optional SBX-Annahmen über den Entdeckerstationscode. SBX wird nur bei Ungleichheit herangezogen, damit der Lauf nicht unnötig langsam wird.

Die CLI zeigt in einstellbaren Abständen Wasserstandsmeldungen mit ETA und geschätzter Endzeit. Mit der Leertaste kann pausiert und fortgesetzt werden. Die Statusdatei merkt die nächste Nummer; ein Neustart setzt also fort statt von vorn zu beginnen.

12. Updateprüfung

WAMO Inspector prüft einmal täglich die veröffentlichte Versionsdatei. Wenn eine neuere Version seit mindestens 60 Tagen verfügbar ist und nicht installiert wurde, stellt die App den Betrieb ein und verweist auf die Downloadseite. Diese Sperre soll verhindern, dass sehr alte Entdeckerlogik weiter benutzt wird.